Im Gespräch mit Marc Brütsch: «Die Immobilie bleibt als Anlageform ein Favorit», Teil 1

Das Thema «Zinsentwicklung» ist ein Dauerthema – Was meinen Sie, werden die Zentralbanken die Zinsen 2020 noch weiter absenken?

Wir erleben die aktuelle Niedrigzinsphase bereits seit 2010 und seitdem sind die Zinsen kontinuierlich gesunken. Viel Spielraum für weitere Senkungen gibt es allerdings nicht mehr, schließlich sind wir schon spürbar im Negativzins-Bereich. Für die Zukunft erwarten wir deshalb von der EZB keine relevanten Zinssenkungen mehr.

Welche exogenen Faktoren werden 2020 eine bedeutsame Rolle spielen?

Zunächst ist es richtig, dass die exogenen Faktoren nach wie vor sehr bedeutend sind. Dabei steht der Handelsstreit zwischen den USA und China sowie der EU im Mittelpunkt. Die negativen Auswirkungen auf die Wirtschaft sind bereits heute sehr deutlich zu verzeichnen.

Der Brexit ist hingegen aus unserer Sicht von den Märkten bereits weitgehend eingepreist worden, obwohl er uns bei einer Umsetzung viele Jahre begleiten wird, bis über Verträge zwischen der EU und Großbritannien alle Fragen geklärt sind.

Gibt es noch weitere Unsicherheiten für die Weltwirtschaft?

Die Frage nach der Stabilität der italienischen Regierung gehört dazu, genau wie die teils enorme Verschuldung einiger Euro-Länder. Die in 2020 anstehenden Präsidenten-Wahlen in den USA sind ebenfalls ein Unsicherheitsfaktor. Mit Blick auf Deutschland sind die Überkapazitäten in der Industrie erwähnenswert. In den zurückliegenden Jahren hat der mehrfache Exportweltmeister einfach zu große Kapazitäten geschaffen, die nun schmerzhaft abgebaut werden.

Was dürfen wir insgesamt von der wirtschaftlichen Entwicklung in 2020 erwarten?

Wir sind mit einem positiven Ausblick sehr zurückhaltend. 2020 und auch 2021 werden keine guten Jahre für die Wirtschaft, das Wachstum wird niedrig sein und ein Silberstreif ist am Horizont leider auch noch nicht zu erkennen. Mit einer raschen Erholung dürfte in den nächsten zwei Jahre eher nicht zu rechnen sein.

Wie sieht die weitere wirtschaftliche Entwicklung für Immobilienanlagen aus?

Wir sehen als institutioneller Investor die Attraktivität der Immobilienanlage als weiterhin gegeben. Die Nachfrage nach Immobilien wird weiter hoch bleiben, nicht zuletzt aufgrund der mangelhaften Alternativen im festverzinslichen Bereich. Die anhaltend hohe Immobiliennachfrage wird sich auch an den weiter steigenden Kaufpreisen zeigen, speziell für Top-Immobilien in den A-Lagen. Die Nachfrage nach Gewerbeflächen wird sich zwar abschwächen, doch gibt es genug konjunkturunabhängige Sektoren wie die Bereiche Wohnen und Gesundheitsimmobilien, die nach wie vor die hohe Nachfrage der Nutzer nicht decken können.

Bekommen wir eine ungesunde Entwicklung an den Immobilienmärkten?

Das ist zumindest für die nächsten zwei Jahre eher unwahrscheinlich. Denn wir haben in Deutschland, aber auch vielen anderen europäischen Ländern, derzeit sehr geringe Leerstandsquoten. Es wurde in den letzten Jahren wenig auf Halde gebaut. Abgesehen von den gestiegenen Preisen sind die Märkte als  gesund einzuschätzen.. Die aktuelle Marktlage birgt allerdings auch Herausforderungen: Es muss wieder stärker an den Immobilien gearbeitet werden und das Asset- und Property-Management ist extrem gefordert. Wer hier gut aufgestellt ist, wird noch über einen langen Zeitraum solide Erträge mit Immobilien erwirtschaften können. Die Immobilie bleibt als Anlageform ein Favorit.


Marc Brütsch ist seit Abschluss des Studiums der Nationalökonomie und der Publizistikwissenschaften an der Universität Zürich für Swiss Life tätig. In den Jahren 1996 und 1997 lebte und arbeitete er in England. Anschliessend übernahm er die Verantwortung für die Konjunkturanalyse als Grundlage der gruppenweiten Anlageentscheide bei Swiss Life. Seit März 2000 bekleidet er die Funktion des Chief Economist von Swiss Life Asset Managers. Für die Jahre 2015 und 2017 zeichnete die Firma Consensus Economics in London ihn und sein Team mit dem seit 2013 vergebenen Gütesiegel «Forecast Accuracy Award» für die beste Prognose zur Konjunktur in der Schweiz aus.


Hinweis:
Der vollständige Fondsname lautet „Swiss Life REF (DE) European Real Estate Living and Working“.

Mehr zum Swiss Life Living + Working unter www.livingandworking.de 

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