5. März 2020 275 Views

Swisscanto Invest: Coronavirus wirft lange Schatten

Marktkommentar von Stefano Zoffoli, Chefstratege & Leiter Multi Asset Portfolio, Swisscanto Invest

„Obwohl in China die Anzahl der mit dem Coronavirus angesteckten Menschen abnimmt und sich die Aktivität wieder normalisiert, ist der weitere Verlauf der Epidemie in der übrigen Welt schwierig abzuschätzen. Die Maßnahmen zur Eindämmung der Ausweitung werden die Weltkonjunktur bremsen. Es ist allerdings unklar, in welchem Ausmaß. Wir rechnen aktuell mit einem starken Rückgang der Wirtschaftstätigkeit in der ersten Jahreshälfte 2020. Für das Gesamtjahr 2020 erwarten wir daher nur noch ein globales Wachstums von zwei Prozent statt der bisher prognostizierten drei Prozent – mit einer entsprechenden Flaute bei den Unternehmensgewinnen. Eine Rückkehr zur optimistischen Börsenstimmung vom Jahresanfang 2020 und das damit einhergehende, hohe Bewertungsniveau mit einem Kurs-/Gewinnverhältnis vom 20fachen der (globalen) Gewinne erscheint uns vorerst nicht plausibel. Der Kurseinbruch Ende Februar war stärker als nach 9/11 und einige Indikatoren zeigen nun überverkaufte Niveaus an (Absicherungen, Marktbreite, Fondsabflüsse). Gleichwohl ist die Lage aktuell zu undurchsichtig, um schon jetzt eine nachhaltige Besserung zu prognostizieren.

Deshalb haben wir beschlossen, die Aktienquote in den gemischten Portfolios nach dem kursbedingten Rückgang unverändert auf neutral zu halten. Eine wertvolle Portfolioposition waren angesichts taumelnder Aktienmärkte Staatsanleihen sowie Unternehmensanleihen hoher Qualität. Gerade im Ausland verringerten sich die Renditen massiv. Die kurzfristige Markteinschätzung wird vor dem aktuellen Hintergrund stärker abhängig von wirtschaftspolitischen Gegenmaßnahmen und der Art und Weise, wie sich die Geldpolitik der Herausforderung stellen wird. Japanische Unternehmen haben mit negativen Ergebnissen überrascht. Unsere positive Einschätzung japanischer Aktien und die entsprechende Positionierung nehmen wir zurück. Hingegen bleiben wir weiterhin positiv für den IT-Sektor, insbesondere in den USA. Der Sektor zeigt sich gegenüber der Konjunktur immer weniger sensitiv, dies geht so weit, dass wir hier von einem defensiven Charakter sprechen möchten, der die Attraktivität des Sektors neben den positiven Wachstumsaussichten zusätzlich erhöht.

Angesichts des historischen Renditetiefs von einem Prozent bei 10-jährigen US-Staatsanleihen scheint das Potenzial für weitere Kursgewinne ausgeschöpft. Der Aktienkurseinbruch von Ende Februar hat jedoch ein weiteres Mal gezeigt, wie wertvoll die Beimischung von Anleihen selbst auf diesem tiefen Renditeniveau ist. Wir halten weiterhin inflationsgeschützten Anleihen in USD (TIPS) mit langer Duration. TIPS werden im Fall steigenden Teuerungsdrucks weniger verlieren als konventionelle US-Treasuries. Unsere Titelselektion ist angesichts der anstehenden Wachstumsdelle weiterhin auf längere Laufzeiten ausgerichtet. Bereits vor dem Ausbruch des Coronavirus wiesen die Emerging Markets – insbesondere Asien – als Folge der Entschärfung des Handelskonflikts und der Beilegung der Unruhen in Hongkong gute Kurschancen auf. Nun, da die Ausbreitung des Virus in Asien nachlässt, haben die lokalen Aktienkurse ihre Outperformance gegenüber den entwickelten Börsen begonnen. Größte Risiken sind die Ausweitung des Virus nach Lateinamerika und ein Einbruch des Erdölpreises mit negativen Konsequenzen für die Produktionsländer.“

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