Swisscanto Invest – Kurzbericht Februar 2020

Swisscanto Invest – Kurzbericht Februar 2020

Aktienmärkte mit Konsolidierungsbedarf

Konjunktur
Wir rechnen weiterhin mit einer Stabilisierung der globalen Konjunktur, allerdings auf vergleichsweise bescheidenem Niveau. Indes hat die Gefahr, dass die Flaute des Industriesektors auf den Dienstleistungssektor überschwappt, weiter abgenommen. Auch wenn der Handelskonflikt mittelfristig wieder Anlass zur Sorge geben wird, bringt das nun unterzeichnete Phase-1-Abkommen zwischen den USA und China für die nächsten Monate eine willkommene Beruhigung. Durch den Ausbruch des Coronavirus erhält das fundamental-ökonomische Bild nur kurzfristig einen Dämpfer; eine nachhaltige Eintrübung der wirtschaftlichen Situation erwarten wir nicht.

Finanzmärkte
Um die inzwischen hohe Bewertung der Aktienmärkte zu rechtfertigen, braucht es eine stärkere wirtschaftliche Entwicklung als die von uns prognostizierte Wachstumsstabilisierung der Weltwirtschaft. Die Aktienmärkte haben also Konsolidierungsbedarf. Die Notenbanken halten an ihrer Geldpolitik fest und bleiben expansiv. Vor diesem Hintergrund wird ein Renditeanstieg selbst bei einer Aufhellung der Konjunkturaussichten nur moderat ausfallen, was die Attraktivität von Anleihen steigert.

Renditeniveau wird moderat anziehen
Die zuletzt veröffentlichten Wirtschaftsdaten weisen auf eine Stabilisierung der globalen Konjunktur hin. Dies verringert den Druck auf die Renditen und wir sehen über die kommenden Monate wieder ein leicht anziehendes Renditeniveau auf globaler Ebene. Das Renditeanstiegspotenzial bleibt infolge der expansiven Notenbanken jedoch beschränkt. Die Notenbankpolitik wird sich erst bei einer Beschleunigung der Konjunktur und anziehenden Inflationsraten ändern. Erst dann ist der Nährboden für ein nachhaltig höheres Renditeniveau vorhanden. Trotzdem glauben wir, dass die Zinskurven aufgrund der verbesserten Konjunkturaussichten wieder steiler werden. Die Zinskurve kanadischer Staatsanleihen ist bis zu einer Laufzeit von zehn Jahren invers, was unserer Ansicht eine zu negative Konjunkturwahrnehmung impliziert.

Aktien: Eurozone weniger attraktiv
In der Vergangenheit hatten wir immer wieder hervorgehoben, dass die verantwortlichen Politiker der Eurozone die Lösung der strukturellen Herausforderungen in der Währungsgemeinschaft vor sich herschieben. Dies macht sich auch am Aktienmarkt bemerkbar, der sich seit dem Ausbruch der Finanzkrise trendmäßig schlechter entwickelt als die globale Benchmark. Allerdings gab es immer wieder Phasen mit vorübergehender relativer Stärke. Die Auslöser dafür waren in den meisten Fällen geldpolitische Maßnahmen der EZB. Auch die geldpolitischen Entscheidungen des letzten Jahres und der Stabwechsel an der Spitze der Notenbank ließen den Markt seine relative Schwäche ablegen. Da wir allerdings bis auf Weiteres keine zusätzlichen expansiven Schritte der EZB erwarten, dürften neben den strukturellen auch die konjunkturellen Schwächen wieder in den Vordergrund rücken.

Schwellenländer fundamental stark
In unserem Basisszenario gehen wir davon aus, dass sich das Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern, anders als in den Industriestaaten, leicht beschleunigen wird. Darüber hinaus sehen wir dort noch weiteres Potenzial für Leitzinssenkungen und fiskalpolitische Stimuli. Insofern sind die konjunkturellen und wirtschaftspolitischen Voraussetzungen für eine überdurchschnittlich gute Aktienmarktentwicklung gegeben. Vorübergehend dürfte allerdings das Coronavirus belasten, weil die asiatische Region, die den MSCI Schwellenländerindex dominiert, am stärksten vom Virus betroffen ist. Wie gefährlich der Erreger ist und wie weit er sich ausbreiten wird, ist noch offen. Ein Vergleich mit früheren Pandemien zeigt allerdings, dass ein vorübergehender wirtschaftlicher Einbruch zu einem vorübergehenden Kursrückgang an den Aktienmärkten führt. Die Betonung liegt dabei auf „vorübergehend“. Denn für die Aktieninvestoren gilt eine derartige Krise als überstanden, sobald die Anzahl der Neuinfektionen wieder sinkt. Der Aktienmarkt nimmt die konjunkturelle Erholung vorweg und überkompensiert in der Regel die vorherige Korrektur. Den zeitlichen Ablauf richtig einzuschätzen, grenzt aber an ein Glücksspiel. Wir konzentrieren uns deshalb weiterhin auf die guten Fundamentaldaten.

Investoren mit optimistischem Gewinnausblick
Bislang verläuft die Gewinnberichtssaison für das abgelaufene Quartal im Rahmen der vorherigen Berichtsperioden. Die Überraschungen liegen überwiegend auf der positiven Seite, was den Aktienmärkten leichten Rückenwind verleiht. Unter Berücksichtigung der aktuellen Gewinnschätzungen der Finanzanalysten für den MSCI Welt ist mit einem Anstieg von knapp neun Prozent für das Gesamtjahr 2020 zu rechnen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) hat sich in den vergangenen Wochen allerdings deutlich erhöht. Das heißt, die Aktieninvestoren sind deutlich zuversichtlicher geworden bezüglich des Gewinnwachstums. Veranschaulichen lässt sich das an einer einfachen Rechnung: Um das KGV beim aktuellen Kursniveau des MSCI Welt auf das langfristige Mittel von 16 zu bringen, müssten die Gewinne um knapp 18 Prozent steigen. Wir sind zwar weiterhin zuversichtlich für die globale Konjunktur, aber eine Wachstumsbeschleunigung, die einen zweistelligen Gewinnanstieg bewirkt, halten wir für wenig wahrscheinlich. Vielmehr gehen wir bei unseren Schätzungen davon aus, dass das Gewinnwachstum eher zwischen fünf und sechs Prozent liegen dürfte. Ein höheres KGV ließe sich auch durch mehr Zentralbankliquidität rechtfertigen. Tatsächlich haben die US-Währungshüter ihre Bilanz seit September letzten Jahres wieder deutlich ausgeweitet. Auch wenn die US-Notenbank nicht von einer quantitativen Lockerung spricht, ist es doch de facto eine. Mit weiteren Liquiditätsspritzen könnte das KGV auf dem aktuellen Niveau gehalten werden. Aus fundamentaler Sicht erachten wir es jedoch als zu hoch.


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