8. Juli 2020 792 Views

Swisscanto Invest – Kurzbericht Juli 2020

Aktienmärkte im relativen Vergleich attraktiv

Konjunktur

Wie zeitnahe Mobilitätsdaten und erste realwirtschaftliche Größen zeigen, nimmt die wirtschaftliche Erholung nun Fahrt auf. Die Weltwirtschaft wird im 3. Quartal wieder auf den Wachstumspfad zurückkehren. Die Erholung wird aber holprig verlaufen und die Gefahr einer zweiten Infektionswelle im Herbst ist alles andere als gebannt. Indes werden die staatlichen Behörden von einem erneuten, flächendeckenden Lockdown absehen. Die wirtschaftliche Erholung dürfte im Falle einer zweiten Welle zwar an Kraft verlieren, jedoch nicht gänzlich zum Erliegen kommen. Für die wirtschaftliche Gesundung braucht es weiterhin die uneingeschränkte Unterstützung durch die Geld- und Fiskalpolitik – und diese wird auch gewährleistet. So verspricht zum Beispiel die US-Notenbank, ihren Leitzins bis mindestens Ende 2022 auf dem aktuellen Niveau zu belassen.

Aussichten für Aktienmärkte moderat zuversichtlich

Anders als viele kritische Stimmen nahelegen, beurteilen wir die Aussichten für die Aktienmärkte moderat zuversichtlich. Zwar sind die Aktienmärkte gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis praktisch durch die Bank stolz bewertet. Doch auf der anderen Seite sorgt die expansive Geldpolitik dafür, dass die Anleihenrenditen für lange Zeit auf den rekordtiefen Niveaus verharren werden. Man sollte nicht vergessen, dass sich die Rendite der Staatsanleihen stark zurückgebildet und sich auf globaler Ebene seit Anfang Jahr halbiert hat. Dies lässt die Aktienmärkte im Quervergleich zu den Anleihenmärkten als weiterhin attraktiv erscheinen, da den Anlegern nach wie vor eine überdurchschnittliche Risikoprämie winkt. Zudem gehen wir davon aus, dass die Anleger mit fortschreitender Erholung über das konjunkturelle Wellental hinausblicken und den Fokus zunehmend auf die Gewinnerholung im nächsten Jahr richten werden.

Gewinnberichtssaison steht bevor

Mit Spannung wird die Mitte Juli startende Gewinnberichtssaison für das 2. Quartal erwartet. Die Finanzanalysten haben ihre Schätzungen in den vergangenen Wochen deutlich nach unten angepasst. Mittlerweile erwarten sie für US-Aktien einen Einbruch von gut 44 Prozent gegenüber der gleichen Vorjahresperiode. Angesichts der bislang bekannten Konjunkturdaten für die vergangenen drei Monate gehen wir davon aus, dass die Unternehmen die Prognosen mehrheitlich übertreffen werden. Bei den Gewinnaussichten für die kommenden zwölf Monate zeichnet sich eine Stabilisierung ab. Der Tiefpunkt wurde Ende Mai erreicht und markierte einen Rückgang gegenüber dem Hoch im Oktober 2018 von 26 Prozent. Die Stabilisierung untermauert unsere Prognose, dass der konjunkturelle Tiefpunkt hinter uns liegt und wir uns in einem neuen Aufschwung befinden.

Growth-Stil profitiert vom schwachen Wachstum

Die Aktienmärkte erholen sich seit Ende März. Während zu Beginn die defensiven Sektoren sowie der Growth-Stil deutlich besser abschnitten als die konjunktursensitiven Branchen und der Value-Stil, lagen die Vorteile in der ersten Junihälfte bei Letzteren. Wir führen das weniger auf fundamentale Faktoren zurück, als vielmehr auf den Umstand, dass die Investoren die mittlerweile deutlichen Abweichungen von ihren strategischen Positionen ausgleichen mussten. Insofern sind wir skeptisch, was die Dauerhaftigkeit des Favoritenwechsels anbelangt. Die konjunktursensitiven Zykliker, aber auch Value benötigen für eine dauerhafte Outperformance eine Beschleunigung der Wirtschaftstätigkeit. Davon ist in den kommenden Quartalen auszugehen, dennoch ist nicht mit einer schwungvollen Erholung zu rechnen. Die äußerst expansive Geld- und Fiskalpolitik zeigt, wie groß die wirtschaftspolitischen Impulse sein müssen, um Wachstum zu generieren. Zudem werden diese Maßnahmen nicht ohne Nebenwirkungen bleiben. Bislang überwiegen die positiven Effekte der expansiven Wirtschaftspolitik. Doch auch Fehlentwicklungen werden früher oder später zutage treten. Beispielsweise führt der Ankauf von Wertpapieren durch die Zentralbanken dazu, dass Ausfallrisiken nicht mehr adäquat bepreist und Marktbereinigungen verzögert oder verhindert werden. Eine gesunde Erholung äußerte sich in der Vergangenheit gewöhnlich in deutlich steigenden Anleiherenditen. Dieses Phänomen ist zumindest bislang ausgeblieben, was auf Skepsis der Investoren schließen lässt.

Regionale Favoriten bleiben unverändert USA und die Schweiz

Die schrittweise Aufhebung der Maßnahmen gegen das Coronavirus und die Aussichten auf einen EU-Fonds für hilfsbedürftige Mitgliedländer haben die Aktienmärkte der Eurozone im Juni überdurchschnittlich steigen lassen. Wir sind allerdings nicht davon überzeugt, dass die Eurozone längerfristig besser abschneidet als unsere bisherigen Favoriten. Denn in der Coronakrise hat sich einmal mehr gezeigt, dass die Investoren weniger auf niedrige Bewertung als vielmehr auf stabiles, vergleichsweise hohes Gewinnwachstumspotenzial setzen. Und hier sehen wir die Vorteile nach wie vor in der Schweiz und in den USA.

Kurspotenzial bei Industriemetallen beschränkt

Auch die Industriemetallpreise sind in den vergangenen Monaten wieder gestiegen. Der Bloomberg Industriemetallindex ist Ende Juni 15 Prozent über dem Tiefststand von Mitte März. Besser als erwartete Konjunkturzahlen, insbesondere aus China, haben zu diesem Preisanstieg geführt. Wie die gestiegenen Netto-Long-Positionierungen am Futures-Markt zeigen, sind in den Preisen viele positive Erwartungen impliziert. In Lateinamerika dürfte die Minenproduktion wieder erhöht werden, sodass das Kursanstiegspotenzial von Industriemetallen infolge der Angebotsausweitung beschränkt ist.

 


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