Swisscanto Invest – Kurzbericht März 2020 | Coronavirus schreckt die Märkte auf

Swisscanto Invest – Kurzbericht März 2020 | Coronavirus schreckt die Märkte auf

Konjunktur

Die Ausbreitung des Coronavirus ist und bleibt auch in den kommenden Wochen das dominierende Thema. Wir rechnen zwar mit vorübergehenden wirtschaftlichen Einbußen, jedoch nicht mit einer Rezession. Dank der expansiven Geld- und Fiskalpolitik wird die Wachstumsdelle in den kommenden Quartalen weitgehend wieder kompensiert werden können. Aber im 1. Quartal 2020 wird das globale Wirtschaftswachstum einen herben Dämpfer hinnehmen müssen und sehr schwach ausfallen. Hingegen wird der mittel- und langfristige Wachstumspfad der Weltwirtschaft durch das Coronavirus unserer Ansicht nach nicht in Frage gestellt. Die Prognose für das Wachstum der Weltwirtschaft in diesem Jahr haben wir leicht nach unten korrigiert. In China fällt die Abwärtsrevision am stärksten aus. Indes bleibt insbesondere die US-Wirtschaft in guter Verfassung. Allerdings müssen sich Anleger aufgrund des Coronavirus auf eine Phase mit wenig aussagekräftigen Konjunkturdaten und volatilen Finanzmärkten einstellen.

Achtung: Holprige Straße voraus!

Die Unsicherheit über den Gang der Weltwirtschaft wird in den nächsten Wochen und Monaten hoch bleiben, da die makroökonomischen Daten nur sehr eingeschränkte Anhaltspunkte über den Zustand der Wirtschaft liefern werden. Es ist davon auszugehen, dass für die Monate Februar und März erhebliche Einbußen sowohl bei den realwirtschaftlichen Daten als auch bei den Stimmungsindikatoren ausgewiesen werden, gefolgt von starken Gegenbewegungen in den folgenden Monaten. Es kann deshalb gut und gerne bis in die Sommermonate dauern, bis die Daten sich wieder auf einem „normalen“ Niveau einpendeln, das heißt weder nach unten noch nach oben verzerrt sind und wieder verlässlichere Konjunktursignale liefern. Einen ersten Vorgeschmack dieser Art lieferten die provisorischen Ergebnisse der Einkaufsmanagerbefragung in den USA, die den PMI Composite auf den niedrigsten Stand seit Oktober 2013 absacken ließen. Noch deutlich ausgeprägter dürften die Schwankungen der chinesischen Konjunkturdaten ausfallen: Wir wären über einen Einbruch des chinesischen PMI im Februar in Richtung 40 Punkte nicht erstaunt. Aber wie gesagt, die Daten sollten nicht zum Nennwert genommen werden.

Aktienmärkte ignorierten Risiken lange

An den Finanzmärkten hat die Angst vor einer Coronavirus-Pandemie in den letzten Tagen deutlich zugenommen und für mittlerweile für heftige Kursverluste an den Aktienmärkten gesorgt. Hier rächt es sich, dass die Aktienmärkte lange Zeit die Risiken ignorierten und von Höchststand zu Höchststand eilten. Die Bewertungen, gemessen an den Kurs-Gewinn-Verhältnissen, hatten sich dabei vielerorts deutlich von ihren langfristigen Durchschnittswerten gelöst. In einer solchen Situation braucht es wenig, um eine Korrektur auszulösen. Auch an den Anleihenmärkten fielen die Kursreaktionen heftig aus und sorgten für einen nochmals markanten Renditetaucher. In den USA fielen die Renditen der 10-jährigen und 30-jährigen Staatsanleihen sogar auf neue historische Tiefstwerte. Vorerst dürften die Virus-Sorgen zwar anhalten und einer nennenswerten Gegenbewegung im Wege stehen. Eine anhaltende Baisse erachtet wir aber als unwahrscheinlich. Ähnlich wie bei der konjunkturellen Entwicklung dürfte es auch an den Finanzmärkten zu einer V-Erholung kommen.

Aktien: USA und Schweiz zu bevorzugen

In Zeiten erhöhter Unsicherheit ist es sinnvoll, sich weniger auf Stimmungsindikatoren als vielmehr auf die Fundamentaldaten der einzelnen Aktienregionen zu konzentrieren. Im Universum der Industriestaaten sehen wir nach wie vor die Vorteile bei den USA und der Schweiz. Die US-Wirtschaft zeichnet sich weiterhin durch ein überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum aus. Wir haben für die USA, im Gegensatz zu den meisten anderen Regionen, aufgrund des Coronavirus bislang keine Abwärtsrevision beim Wachstum des Bruttoinlandsproduktes für das Gesamtjahr vorgenommen. Die USA bleiben das globale wirtschaftliche Kraftzentrum, was sich auch in überdurchschnittlichem Gewinnwachstum der Unternehmen widerspiegelt. Zwar weist der Aktienmarkt eine eher zyklische Sektorstruktur auf, aber auch die Zykliker besitzen gegenüber anderen Regionen Umsatz- und Kostenvorteile. Bei den Schweizer Unternehmen sind es vor allem die Kostenvorteile, die für das überdurchschnittliche Gewinnwachstum sorgen. Die im Gegensatz zu den USA defensive Sektorstruktur des Marktes sorgt zudem für eine vergleichsweise stabile Gewinnentwicklung.

Goldpreis: Potenzial für weiteren Anstieg geringer

Die Edelmetalle wurden im Monat Februar von den Finanzmarktinvestoren wieder stark nachgefragt. Die Verbreitung des Coronavirus ruft Unsicherheiten bezüglich der weiteren Konjunkturentwicklung hervor, sodass Gold im Fokus der Investoren steht. Sowohl die ETF-Bestände als auch die Long-Positionen bei Terminkontrakten wurden stark ausgebaut. Die Gold-ETFs verzeichneten im Februar gar neue Rekordwerte. Durch die Risikoaversion an den Finanzmärkten und die rückläufigen Renditen hat Gold an Attraktivität gewonnen. Die Renditen von inflationsgeschützten US-Staatsanleihen liegen mittlerweile jedoch wieder im negativen Bereich und implizieren unserer Ansicht nach eine zu negative Konjunkturwahrnehmung. Im Vergleich zu anderen „sicheren Häfen“ wie dem japanischen Yen weist Gold eine deutlich bessere Kursentwicklung aus. Nach dem starken Preisanstieg des gelben Edelmetalls ist das Potenzial für einen weiteren Anstieg des Goldpreises geringer.

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