4. Mai 2020 862 Views

Swisscanto Invest – Kurzbericht Mai 2020

Bei Suche nach Ertrag bleiben Aktienmärkte interessant

Konjunktur

Der Weltwirtschaft droht wegen des Kampfs gegen die Ausbreitung des Coronavirus die schwerste Krise der Nachkriegszeit. Regierungen und Notenbanken haben Rettungspakete geschnürt, die ungeahnte Größenordnungen annehmen. In vielen Ländern hat sich indes die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Virus so stark verlangsamt, dass die Behörden erste Lockerungen der einschneidenden Maßnahmen vornehmen können. Allerdings schlagen die Regierungen dabei ein vorsichtiges Tempo an. Vor diesem Hintergrund haben wir unsere Wachstumsprognosen für die Weltwirtschaft nochmals nach unten angepasst. Wir rechnen mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung von 3,8 Prozent in diesem Jahr.

Aktienmärkte erstaunlich robust

Die Aktienmärkte halten sich angesichts der Schwere der ökonomischen Krise erstaunlich gut. Die beispiellosen Hilfspakete der Regierungen entfalten bei den Investoren eine beruhigende Wirkung. Gleichzeitig sorgt die ultra-expansive Geldpolitik der Notenbanken für dauerhaft tiefe Renditen. Für Investoren auf der Suche nach Ertrag bleiben die Aktienmärkte deshalb interessant. Relativ zu den mickrigen Bondrenditen sind die Aktienmärkte nicht übertrieben hoch bewertet. In einem einfachen Dividend Discount Model kann der Barwert einer Aktie sogar steigen, auch wenn die künftigen Dividenden dauerhaft tiefer liegen, sofern der Diskontierungssatz genügend sinkt.

Aktuelle Berichtssaison kaum im Fokus

Die US-Gewinnberichtssaison für das 1. Quartal läuft derzeit auf Hochtouren. Allerdings wird sie von den aktuellen Nachrichten zum Coronavirus überlagert, sodass sie bislang wenig markttreibende Wirkung entfaltet hat. Dennoch gibt es einige bemerkenswerte Punkte. So überrascht die Mehrheit der Unternehmen bei den Gewinnen erneut positiv. Ihr Anteil liegt aber mit 67 Prozent so niedrig wie seit Jahren nicht mehr. Zudem zeigt sich das erwartbare Gewinnbild bei den einzelnen Sektoren: Der Gewinnrückgang fällt bei den Zyklikern und Finanzdienstleistern besonders stark aus, während sich die Defensiven relativ gut behaupten. Bei der Abgabe eines Ausblicks sind die Unternehmen noch zurückhaltend, viele verzichten auch ganz darauf. Das heißt, die Gewinnvisibilität wird für die Finanzanalysten vorerst relativ gering bleiben. Die Gewinnerwartungen des Konsensus für die kommenden zwölf Monate sind bereits um rund 15 Prozent von ihrem Hoch im Januar gesunken. Auf Basis unserer nochmals nach unten korrigierten Konjunkturprognosen sehen wir allerdings einen Rückgang von nunmehr 38 Prozent. Insofern erwarten wir noch weitere kräftige Abwärtsrevisionen in den nächsten Wochen.

Schwellenländer weniger attraktiv

Die Unternehmen der Schwellenländer weisen gegenüber denen der Industriestaaten einen leichten Gewinnvorsprung auf. In der Vergangenheit hat sich das in der Regel aber nur dann in relativer Stärke der Schwellenländeraktien niedergeschlagen, wenn die globalen Investoren guter Stimmung waren oder ihre Risikofreude stieg. Dies machte sich häufig auch in stärkeren Schwellenländerwährungen, insbesondere gegenüber dem US-Dollar, bemerkbar. Für die kommenden Wochen gehen wir jedoch nicht davon aus, dass die Risikofreude der Investoren weiter zunimmt. Die globalen Aktienmärkte haben sich von ihren Tiefs bereits wieder deutlich entfernt, obwohl die Renditen der als sicher geltenden Staatsanleihen sowie der Öl- und Goldpreis zur Vorsicht mahnen. Die geld- und fiskalpolitischen Lockerungsmaßnahmen dürften die Schwellenländerwährungen belasten. Darüber hinaus könnte sich in Brasilien eine Regierungskrise anbahnen, vor allem dann, wenn sich das vom Präsidenten Bolsonaro bagatellisierte Coronavirus weiter ungebremst ausbreitet. Insofern hat sich Enttäuschungspotenzial aufgebaut und die Attraktivität der Schwellenländeraktien zumindest vorübergehend abgenommen.

Renditen verharren auf tiefem Niveau

Sichere Staatsanleihen blieben im vergangenen Monat gefragt, schließlich haben die jüngsten Konjunkturdaten deutlich gezeigt, wie massiv die wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronaviruskrise sind. Die Industrie und der Dienstleistungssektor sind durch die sozialen Distanzierungsmaßnahmen stark eingeschränkt. In diesem Umfeld sank die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen im vergangenen Monat um sieben Basispunkte auf 1,25 Prozent. Die Rendite 30-jähriger britischer Staatsanleihen ermäßigte sich um 19 Basispunkte auf 0,64 Prozent und die Rendite Schweizer Staatsanleihen (Eidgenossen) ging um 16 Basispunkte auf –0,24 Prozent zurück. Bezüglich der Ausbreitung des Coronavirus kann noch keine Entwarnung gegeben werden. Ein endgültiger Weg aus der Krise dürfte erst die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffes gegen das Virus bieten. Bis dahin bleibt die Unsicherheit hoch und sichere Anleihen sind weiterhin gefragt. Einen Renditeanstieg erwarten wir kurzfristig deshalb bis auf Weiteres nicht, auch aufgrund der anhaltenden Notenbankinterventionen nicht. Mittel- bis längerfristig sehen wir vor allem im Zuge einer wirtschaftlichen Erholung aufgrund der riesigen staatlichen Hilfsprogramme eine reelle Möglichkeit für höhere Renditen.


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