Swisscanto Invest – Kurzbericht Mai 2021
3. Mai 2021 1388 Views

Swisscanto Invest – Kurzbericht Mai 2021

Aktien: Großbritannien steigt zum heimlichen Star auf

Konjunktur

Aufgrund der gigantischen staatlichen Hilfspakete und der raschen Impffortschritte übernimmt die USA – wieder einmal – die Rolle als Konjunkturlokomotive. Im laufenden Quartal wird sich die Wachstumsdynamik in den USA weiter beschleunigen und ihren Höhepunkt erreichen. Länder, welche die Pandemie durch einschränkende Maßnahmen von Anfang an gut im Zaum hielten, sind im Konjunkturzyklus bereits weiter fortgeschritten. So hat in China die Erholung bereits im 1. Quartal 2021 an Kraft eingebüßt. Die wirtschaftliche Erholung in vielen Ländern Kontinentaleuropas steht hingegen erst in den Startlöchern.

Inflation temporär auf dem Vormarsch

Die Kehrseite der kräftigen konjunkturellen Erholung lässt sich an den stark steigenden Kosten, insbesondere bei wichtigen Vorleistungsgütern und Rohmaterialien, ablesen. Zusammen mit einem ungünstigen Basiseffekt aus dem Vorjahr hat dies zu einem spürbaren Anstieg der Inflation geführt. In den nächsten beiden Monaten dürfte die Teuerung weiter zulegen. Später rechnen wir wieder mit einer Entspannung an der Preisfront. Die US-Notenbank und die Europäische Zentralbank (EZB) haben mehrfach betont, dass sie den Preisanstieg als temporär erachten und ihre expansive Geldpolitik noch für längere Zeit uneingeschränkt fortsetzen wollen.

EZB stemmt sich gegen Renditeanstieg

Die EZB hat ihren expansiven geldpolitischen Kurs im April wie erwartet bestätigt. Die Leitzinsen bleiben auf historischen Tiefstwerten und die Wertpapierkäufe werden noch mindestens bis im März 2022 fortgesetzt. Außerdem sollen die Käufe im Rahmen des Pandemie-Notfallankaufprogramms (PEPP) im 2. Quartal, wie bereits im März kommuniziert, vorübergehend signifikant erhöht werden, um weiterhin für ausgesprochen lockere Finanzierungsbedingungen zu sorgen. Den gesamten Rahmen des PEPP von 1850 Mrd. Euro wollen die Währungshüter nicht zwingend ausschöpfen, sondern nur dann, wenn es die Umstände erfordern. Die Eurozonen-Wirtschaft verzeichnete trotz anhaltender Restriktionen im April ein beschleunigtes Wachstum. Die Staatsanleihenrenditen haben im vergangenen Monat mit einem Anstieg über die gesamte Zinskurve auf diese Entwicklung reagiert. Die EZB wird einen weiteren Renditeanstieg jedoch mit mehr Anleihenkäufen in engen Grenzen halten. Damit wird das unmittelbare Aufwärtspotenzial bei den Renditen der Eurostaaten limitiert, was ein Hemmschuh für den Euro darstellt. Allerdings unterstützen die äußerst lockeren Finanzierungsbedingungen auch die Erholung im Gemeinschaftsraum, was wiederum einen positiven Effekt auf die Währung hat.

Fundamentales Umfeld für Aktien intakt

Seit dem Tief im März 2020 haben sich die Aktienmärkte kräftig erholt. Dies ist im Wesentlichen auf eine äußerst expansive Geld- und Fiskalpolitik sowie die vergleichsweise schnelle Entwicklung von Impfstoffen zurückzuführen. Die Weltwirtschaft erholt sich besser als erhofft. Die konjunkturellen Frühindikatoren bewegen sich mittlerweile auf Niveaus, die historisch betrachtet nicht mehr viel Spielraum nach oben bieten. Frühindikatoren und Aktienmärkte weisen einen hohen Gleichlauf auf. Insofern wäre mit einer Konsolidierung zu rechnen, sobald die Frühindikatoren nicht mehr steigen oder sogar fallen. Allerdings gelingt es in den seltensten Fällen, Beginn und Ende zeitlich genau abzupassen. Deshalb sollte man darüber hinwegsehen, sofern man den fundamentalen Rahmen für steigende Aktienkurse als intakt erachtet.

Aktienmärkte: USA und Großbritannien favorisiert

Das Gewinnwachstum des britischen, kanadischen und australischen Aktienmarkts weist eine deutlich höhere Dynamik auf als das der meisten anderen von uns betrachteten Regionen. Dies liegt vor allem an der Gewinnerholung in den dort überdurchschnittlich stark vertretenen Sektoren Energie und Grundstoffe. Während die Bewertung des kanadischen und australischen Marktes, gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), im abgelaufenen Monat weiter gestiegen ist, war sie in Großbritannien leicht rückläufig. Tatsächlich liegt das KGV auf Basis der erwarteten Gewinne des Vereinigten Königreichs mit historisch weitem Abstand unter demjenigen des Weltindex. Dies erachten wir als nicht gerechtfertigt. Denn erstens herrscht in Sachen Brexit jetzt Klarheit. Zweitens kommt das Königreich beim Impfen gut voran und drittens gibt es bereits eine Öffnungsstrategie. Folglich erwarten wir viertens in den kommenden Monaten eine höhere Konjunkturdynamik als in anderen Wirtschaftsräumen. Für Australien sehen wir dagegen eher Gegenwind aufgrund der Wachstumsverlangsamung beim wichtigen Handelspartner China. Und in Nordamerika bevorzugen wir aufgrund seiner strukturellen Stärke nach wie vor den US-Markt gegenüber Kanada. In Europa entwickelt sich Großbritannien aber immer mehr zu einem von internationalen Aktieninvestoren noch weitgehend ignorierten Favoriten.

 


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