Swisscanto Invest – Kurzbericht Oktober 2019


Aktien der Eurozone wieder mit mehr Potenzial

Konjunktur

In den vergangenen Wochen nahmen die geopolitischen Risiken an verschieden Fronten ab. Auch im Handelsstreit zwischen den USA und China wurden zuletzt deutlich versöhnlichere Töne angeschlagen. Um von einer nachhaltigen Entspannung auszugehen, ist es aber noch zu früh. Die US-Notenbank senkte im September den Leitzins zum zweiten Mal in diesem Jahr. Wir rechnen mit einem weiteren, vorläufig letzten Zinsschritt im Oktober. Auch die EZB schnürte erneut ein Stimulierungspaket. Dessen Wirksamkeit wird allerdings zunehmend in Frage gestellt. Um die europäische Konjunktur anzukurbeln, wären mittlerweile fiskalische Stimuli vielversprechender. Die vorausschauenden Konjunkturindikatoren entwickeln sich anhaltend flau, insbesondere im Euroraum. Das Beschäftigungswachstum in den wichtigsten Industrieländern verlangsamte sich in den letzten Monaten, bleibt aber weiterhin im positiven Bereich. Angesicht der ultra-expansiven Geldpolitik und der zunehmenden Bereitschaft zu fiskalischen Impulsen halten wir eine Stabilisierung des Wachstums für das nach wie vor wahrscheinlichste Szenario.

Finanzmärkte

An den Finanzmärkten nahm der Optimismus wieder zu. Die Aktienmärkte notieren vielerorts auf oder nahe an historischen Höchstständen und der tiefe Fall der Renditen im August hat sich teilweise wieder ausgeglichen. Wir erkennen bei Aktien aus der Eurozone wieder mehr Potenzial. Unsere bevorzugten Märkte bleiben allerdings die Schweiz und die USA.

Gegenbewegung bei den Renditen

Die Renditen auf Staatsanleihen erholten sich in den letzten Wochen etwas, nachdem in vielen Ländern im vergangenen Monat neue Tiefstände erreicht wurden. Entsprechend reduzierten sich die zuvor erzielten Kursgewinne bei den Staatsanleihen. So kletterte die Rendite auf 10-jährigen Eidgenossen (Schweizer Staatsanleihen) vom Allzeittief von minus 1,2 Prozent zwischenzeitlich um 50 Basispunkte nach oben. Dies spricht einerseits dafür, dass die vorausgegangene Renditebewegung tatsächlich übertrieben war. Anderseits wurde die Bewegung mitunter durch positive Entwicklungen bei geopolitischen Risiken (Handelsstreit zwischen den USA und China, Brexit, Italien) begünstigt. Allerdings verbesserten sich die Wirtschaftsindikatoren auf globaler Ebene kaum und der Konjunkturausblick bleibt eingetrübt. Dies spricht gegen einen anhaltenden Renditeanstieg und dafür, dass die Verzinsung bei Staatsanleihen auf absehbare Zeit auf äußerst tiefem Niveau verharrt.

Euro weiterhin unter Druck

Angesichts der anhaltend schwachen Konjunktur in der Eurozone und der expansiveren Geldpolitik der EZB dürfte der Euro vorerst unter Druck bleiben. Da wir weder in der Schweiz noch in Japan mit einer Zinssenkung rechnen und die globalen Risiken anhalten, dürften der Schweizer Franken und der japanische Yen hingegen zur Stärke tendieren. Die Entwicklung des britischen Pfunds steht und fällt mit der Brexit-Frage. Hier reduzierte sich zuletzt das Risiko eines „No Deal“ per 31. Oktober. Dies spiegelt sich in einem etwas festeren Pfund wider.

Eurozone: vorübergehende Aufhellung am Aktienmarkt

Die Wirtschaft der Eurozone bewegt sich nach wie vor im Kriechgang. Auch die jüngsten Einkaufsmanagerindizes wiesen auf eine Fortsetzung der konjunkturellen Verlangsamung hin. Allerdings gibt es Gründe, die zumindest für eine vorübergehende Aufhellung am Aktienmarkt mit überdurchschnittlichen Kursentwicklungen sprechen. Erstens, und das ist zunächst nur ein technisches Argument, bewegen sich die konjunkturellen Indikatoren auf einem Niveau, das eine Verbesserung immer wahrscheinlicher macht. Einige Stimmungsindikatoren deuten dies bereits an. Zweitens verstärkte die EZB ihren expansiven geldpolitischen Kurs noch einmal. Die EZB hat bislang alles getan, um die Eurozone „am Laufen“ zu halten – und dies konnte die Aktienmärkte vorübergehend immer beflügeln. Drittens steigt aufgrund des schwachen wirtschaftlichen Wachstums in den einzelnen Mitgliedstaaten zudem langsam die Bereitschaft für fiskalpolitische Stimuli. Die designierte EZB-Chefin Christine Lagarde deutete bereits an, dass sie ihr politisches Geschick auch dafür einsetzen wird, die Regierungen der Währungsgemeinschaft dahingehend zu überzeugen. Falls sich ein solches Zusammenspiel von Geld- und Fiskalpolitik abzeichnen sollte, dürften sich die Gewinnerwartungen für die Unternehmen der Eurozone gegenüber denjenigen anderer Regionen verbessern. Auch der Risikoabschlag, den Investoren für europäische Aktien seit der Schuldenkrise verlangen, könnte sich verringern. Vor diesem Hintergrund sind Aktien der Eurozone attraktiver geworden.

Risikoprämie beim Rohölpreis steigt

Der Angriff auf die Rohölproduktion Saudi-Arabiens hat die instabile Lage im Nahen Osten verdeutlicht. Die Gefahr einer Eskalation wächst, da die USA ihre Präsenz in der Golfregion ausbauen wollen. Aus diesem Grund wird Rohöl an den Finanzmärkten weiterhin mit einer Risikoprämie gehandelt werden, wobei mit einer erhöhten Schwankungsbreite zu rechnen ist. Wir glauben, dass die Produktionsausfälle kurzfristig zu einem weiteren Aufwärtspotenzial beim Rohölpreis führen, vorausgesetzt die Rohölnachfrage entwickelt sich stabil.


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