Swisscanto Invest – Kurzbericht Oktober 2021

Inflation und Geldpolitik treiben Renditen an

Konjunktur

Die globale Wachstumsdynamik hat zuletzt abgenommen, weil wichtige Rückenwinde wie ausgeprägte Aufholeffekte sowie die expansive Geld- und Fiskalpolitik allmählich wegfallen. Dazu kommt, dass anhaltende Liefer- und Personalengpässe das Wachstum zusätzlich bremsen. Insgesamt bleibt das Wachstum aber in nahezu allen Regionen klar überdurchschnittlich. Der Preisdruck bleibt weltweit hoch. Die anziehenden Inflationsraten sind jedoch unverändert vor allem von temporären Faktoren getrieben. Es sind noch keine Anzeichen für eine Lohn-Preis-Spirale erkennbar. Die geldpolitische Normalisierung setzt sich fort. Die US-Notenbank Fed wie auch die Europäische Zentralbank (EZB) werden ihre Wertpapierkäufe demnächst reduzieren, während die Leitzinsen in vielen Schwellenländern auf breiter Front steigen.

Anstieg der Realrenditen

Im Monat September hat der Anstieg der globalen Renditen wieder Fahrt aufgenommen. So sind die längerfristigen Renditen im angelsächsischen Raum deutlich angestiegen. Die Gründe hierfür sind zunächst bei den höheren Inflationserwartungen zu suchen. Zahlreiche Zentralbanken, angeführt von der Fed, werten die steigende Inflation als vorübergehendes Phänomen. Wir sind grundsätzlich derselben Ansicht. Allerdings dürfte die Inflation länger als bislang erwartet auf einem hohen Niveau verharren. Die Unterbrechungen in den globalen Lieferketten dauern weiter an. Zuletzt sind die Energiepreise stark angestiegen, da die Lagerbestände rapide gesunken sind. Solange die Produktion der Nachfrage hinterherhinkt, werden auch die Inflationserwartungen aufwärts revidiert. Das äußert sich in einer Zunahme der Inflationsprämie am Anleihenmarkt.

Andererseits sind auch die Realrenditen (Nominalrenditen abzüglich Inflationserwartungen) angestiegen. Die Notenbanken verabschieden sich sukzessive von der ultra-expansiven Geldpolitik. In vielen Währungsregionen wurde die Reduktion der Wertpapierkäufe bereits vollzogen oder steht, wie im Falle der USA, unmittelbar bevor. Die schwindende Nachfrage der Notenbanken spricht für eine Neubewertung der tief im negativen Bereich liegenden Realrenditen. Der Renditeanstieg dürfte sich deshalb weiter fortsetzen. Am Zinsmarkt rechnen die Marktteilnehmer mit einem Leitzinsschritt in Kanada und Großbritannien bereits im ersten Halbjahr 2022. Die Notenbanken dürften jedoch bei Zinserhöhungen behutsam vorgehen, sodass wir in beiden Regionen erst im zweiten Halbjahr 2022 damit rechnen.

Yen als attraktiverer sicherer Hafen

Beim US-Dollar sind die Erwartungen für eine schnellere Drosselung der Fed-Anleihenkäufe nun in der Währung widerspiegelt. Schließlich halten wir zurzeit den japanischen Yen für den attraktiveren sicheren Hafen als den Schweizer Franken. Der Yen ist die Währung mit der schwächsten Performance in diesem Jahr und deutlich unterbewertet gegenüber dem längerfristigen fairen Wert. Auch besteht konjunkturell in Japan noch Nachholbedarf. Zudem wird am Terminmarkt bis Ende 2023 mit einer Zinserhöhung bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB) geliebäugelt. Zurzeit sehen wir allerdings keine Anhaltspunkte dafür, dass die SNB diese Erwartungen erfüllen könnte.

Aktien: Messlatte für Gewinnberichte liegt hoch

Die Gewinnberichtssaison für das 3. Quartal dürfte spannender werden als diejenigen zuvor. Während sich die Zuversicht der Finanzanalysten an ihrem langjährigen Hoch bewegt, überwiegen auf konjunktureller Seite – gemessen am Macro Surprise Index der Citigroup – mittlerweile die negativen Überraschungen. Dies könnte ein Hinweis auf zu hochgesteckte Erwartungen der Analysten sein. Für den S&P 500 wird im Mittel ein Gewinnanstieg von gut 28 Prozent gegenüber der gleichen Vorjahresperiode prognostiziert. Produktions- und Lieferengpässe erweisen sich bislang aber als hartnäckig, was sich auf die Kostenentwicklung der Unternehmen und damit den Gewinnrück- und -ausblick niederschlagen dürfte. Wir rechnen zwar insgesamt mit überwiegend positiven Überraschungen seitens der Unternehmen, allerdings dürften die Kursreaktionen angesichts der hohen Erwartungen gedämpfter ausfallen.

Schweizer Aktienmarkt bleibt attraktiv

In einer Phase mit erhöhter Unsicherheit schlägt normalerweise die Stunde der eher defensiven Märkte mit relativ stabilem Gewinnwachstum. Unter diesem Gesichtspunkt erachten wir den Schweizer Markt seit Längerem als attraktiv. Dennoch entwickelte er sich im vergangenen Monat im regionalen Vergleich am schlechtesten. Dies lag unter anderem an unternehmensspezifischen Faktoren, die sich in einem kleinen Aktienmarkt deutlicher bemerkbar machen. Vor allem aber sorgte ein erneuter Vorstoß der US-Regierung zur Senkung der Medikamentenpreise für Verunsicherung im Gesundheitssektor. Wir erwarten allerdings, dass auch dieser erneute Versuch – genau wie die meisten zuvor – scheitern wird. Insofern gehen wir von einem vorübergehenden Dämpfer aus und erwarten, dass der Gesamtmarkt seine defensiven Qualitäten wieder ausspielen wird.

Rohstoffe trotzen steigenden Risiken

Die Rohstoffindizes haben sich im vergangenen Monat positiv entwickelt. Der Risikoappetit bleibt zumindest im Rohstoffbereich aufrechterhalten, obschon die US-Notenbank die Märkte auf eine Straffung ihrer Geldpolitik vorbereitet und die Ausfallrisiken des chinesischen Immobilienentwicklers Evergrande noch nicht gebannt sind. Betrachtet man die einzelnen Rohstoffe, war es jedoch kein breit abgestützter Preisanstieg, vielmehr haben insbesondere die Energierohstoffe und einzelne Industriemetalle im September stark zugelegt.

Die Aluminiumpreise werden weiterhin von Angebotssorgen angetrieben. In China ist die Aluminiumproduktion bereits den vierten Monat in Folge gefallen. Gründe dafür dürften die Stromversorgungsengpässe und die strengere Klimapolitik der chinesischen Regierung sein. Die chinesische Konjunkturentwicklung sorgt allerdings mit Blick auf die Aluminiumpreise für Gegenwind. Die Industrieaktivität im Reich der Mitte dürfte weiter abnehmen, was auch die Industriemetallnachfrage beeinträchtigt.

 

 

 

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