Swisscanto Invest – Kurzbericht September 2020

Höherer physischer Goldkonsum erwartet

Konjunktur

Die Weltwirtschaft erholt sich seit April von der schweren Coronarezession. Insbesondere kehrte der private Konsum in den westlichen Industrieländern rascher als erwartet auf den Vorkrisenpfad zurück. Allerdings ist in Branchen, die besonders stark unter den einschränkenden Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus leiden, das Vorkrisenniveau noch längst nicht erreicht. Zudem steigt vielerorts die Anzahl der Neuinfektionen wieder. Die Wirtschaft ist weiterhin auf die Hilfe der Geld- und Fiskalpolitik angewiesen. Das bislang fehlende fiskalpolitische Anschlussprogramm in den USA sorgt für Unsicherheit. Infolge der konjunkturellen Erholung haben auch die Inflationsraten in vielen Volkswirtschaften den Tiefpunkt durchschritten. Einen generellen Druck zu höheren Preisen sehen wir indes nicht.

Finanzmärkte

In einem solchen Umfeld werden die Renditen an den Anleihenmärkten auf einem ausgesprochen niedrigen Niveau und mancherorts sogar im Minus verharren, womit die relative Attraktivität der Aktien erhalten bleibt. Aufgrund der bevorstehenden US-Wahlen, der Spannungen zwischen den USA und China und des anhaltenden Verhandlungspatts für ein weiteres US-Haushaltspaket sind temporäre Rücksetzer an den Aktienmärkten allerdings jederzeit möglich. Im August hat sich der US-Dollar stabilisiert. Bis zu den US-Wahlen gehen wir von einer anhaltenden Konsolidierung aus. Auf Jahressicht sehen wir indes weiteren Raum für einen schwächeren Dollar.

Renditeanstiegspotenzial bleibt beschränkt

Nach dem tiefen Fall aufgrund der Coronapandemie ist die Inflation in den USA schneller und stärker zurückgekehrt als antizipiert. Die Kernrate der Konsumentenpreise, welche die Preise von Energie und Nahrungsmittel aus der Berechnung ausklammert, ist in der Jahresveränderung auf 1,6 Prozent gestiegen. Allerdings liegt sie nach wie vor klar unterhalb des US-Notenbankziels von zwei Prozent und stellt die ultra-expansive Geldpolitik nicht infrage. Erst bei einem nachhaltigen Anstieg der Inflation über die 2%-Marke dürfte sich an dieser Politik etwas ändern. Die Nullzinsen werden daher noch für längere Zeit bestehen bleiben. Trotzdem sind die Zinskurven etwas steiler geworden, da die langfristigen Renditen zugelegt haben. Die 30-jährigen Renditen in den USA sind um rund 20 Basispunkte gestiegen. Das Anstiegspotenzial bleibt aber aufgrund der Wertpapierkäufe der Notenbanken beschränkt. Sollte es notwendig sein, kann die US-Notenbank die Käufe jederzeit wieder ausweiten. Wir gehen auf Jahressicht nur von einem moderaten Renditeanstieg aus.

US-Wahlen werfen ihren Schatten voraus

Die Kandidaten für die nächste Präsidentschaft in den USA sind nominiert, sodass der Wahlkampf jetzt in seine heiße Phase tritt. Jede Wahlkampfperiode ist anders, aber für den Aktienmarkt lassen sich doch gewisse Rückschlüsse aus der Vergangenheit ziehen. Unterscheidet man zwischen Wahlen mit einem im Vorhinein relativ klaren Ausgang und solchen, die eng waren, stellt man fest, dass die Aktienkurse im Gesamtjahr durchschnittlich ähnlich stark gestiegen sind. Der Unterschied besteht einzig im Verlauf. Während im ersten Fall die Wahlen eher ignoriert wurden, kam es im zweiten Fall immer wieder zu Aktienmarktkorrekturen in den Wochen vor dem Urnengang. Nachdem das Wahlergebnis feststand, erholte sich der Markt jedoch schnell und über das vorherige Niveau hinaus. Dabei spielte es keine Rolle, welcher Partei der neue Präsident angehörte. Im Vorfeld der Wahlen sorgt die mögliche Anhebung von Steuersätzen immer wieder für Verunsicherung. Auch dabei handelt es sich in der Regel um ein vorübergehendes Phänomen. Steuererhöhungen können den Aufwärtstrend am Aktienmarkt allein nicht brechen.

Falls sich zum Beispiel das Verhältnis zwischen Kapitalertrags- und Dividendensteuer ändert, führt das lediglich zu Anpassungen bei Aktienrückkäufen und Dividendenausschüttungen, die ohne größere Kursrelevanz bleiben. Aber auch eine gleichzeitige Erhöhung vieler Steuersätze muss nicht negativ für den Aktienmarkt sein. Beispielsweise ging die Obama-Regierung am Beginn ihrer zweiten Amtszeit 2013 so vor. Der US-Aktienmarkt legte in diesem Jahr über 30 Prozent zu. Weitere Wahlkampfthemen sind oftmals regulatorische Veränderungen, die dann tatsächlich nachhaltige Relevanz für die relative Stärke einzelner Sektoren haben können. Der Gesamtmarkt bleibt davon aber weitgehend unbeeindruckt. Auch für den bevorstehenden Wahlkampf erwarten wir die Diskussion der vorgenannten Themen. Und wir sehen größere Chancen für einen Sieg der Demokraten mit Joe Biden als neuem Präsidenten. Diesmal steht zudem zu befürchten, dass ein möglicher Wahlverlierer Trump seine Niederlage nicht sofort akzeptieren könnte. Wir rechnen deshalb mit einer Zunahme der Volatilität am US-Aktienmarkt und erachten ihn trotz der nach wie vor guten Fundamentaldaten vorübergehend als weniger attraktiv.

Volatilität der Edelmetalle nimmt deutlich zu

Die Schwankungsbreite der Edelmetallpreise hat im vergangenen Monat deutlich zugenommen. Nachdem Gold Anfang August noch einen neuen Rekordwert erzielt hat, ist der Goldpreis wieder unter die Schwelle von USD 2.000 pro Unze gefallen. Zu dieser zwischenzeitlichen Korrektur geführt hat eine Verschnaufpause bei der US-Dollar-Abwertung und ein Rückgang der Realrenditen. Trotz dieser Entwicklung bleiben die beiden fundamentalen Treiber auch in Zukunft intakt. Der US-Dollar wird weiterhin von der hohen Neuverschuldung der Vereinigten Staaten und der ultra-expansiven Geldpolitik der US-Notenbank belastet. Die lockere Geldpolitik sorgt zudem für einen weiteren Abwärtsdruck auf die Realrenditen und reduziert die Opportunitätskosten für Gold weiter. Neben der zuletzt hohen Nachfrage von börsennotierten Goldfonds dürfte auch die physische Goldnachfrage wieder anziehen. In Europa und den USA hat die Nachfrage von Barren und Münzen den höchsten Stand seit 2016 erreicht. Demgegenüber steht die schwache Nachfrageentwicklung in den Schwellenländern, insbesondere aus Indien und China. Die Schwäche des Goldkonsums ist durch die hohen lokalen Goldpreise begründet. Die Schwellenländerwährungen haben sich jedoch gegenüber dem US-Dollar stabilisiert, da die Wachstumserholung auch in den für den Goldkonsum bedeutenden Schwellenländern voranschreitet. Insgesamt rechnen wir wieder mit einer höheren physischen Goldnachfrage

 


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