

Netflix Update: Gerade jetzt aussichtsreich | Heiko Böhmer
Der Ausverkauf im Techsektor hat viele Opfer. Netflix gehört auch dazu. Kurzfristig waren die Abozahlen enttäuschend. Unser Blick geht aber weit in die Zukunft. Nach unserer aktuellen Analyse sind wir weiterhin überzeugt: Auf Sicht von 5 Jahren hat Netflix sehr gute Perspektiven.
Als Value-Investor braucht man starke Nerven, denn es kommt immer wieder vor, dass man sich gegen den Strom stellen muss. Während die Masse der Investoren Netflix schon auf das Abstellgleis gestellt hat, haben wir die Aktie nach dem jüngsten Ausverkauf noch einmal genau unter die Lupe genommen. Wie Sie wissen, habe ich den Streaminganbieter hier im Frankfurter Investment Blog erst kürzlich ausführlich vorgestellt.
In der aktuellen Diskussion zu Netflix steht nun ein Punkt im Fokus: Netflix hat erstmals seit 11 (!!) Jahren Kunden verloren. Damit ist der Wachstumspfad zu Ende und das Plateau ist erreicht. Oder um es mit einem alten Schlager von Hilgedard Knef zu sagen: „Von nun an geht`s bergab…“
Nun ist der Kundenrückgang eine Tatsache. Doch lohnt es sich, hier genauer hinzuschauen. Allein 700.000 Abos hat Netflix in Russland erst einmal wegen der Sanktionen gegen das Putin-Regime auf Eis gelegt. Selbst mit diesen Abos wäre Netflix aber hinter den eigenen Erwartungen zurückgeblieben. Zudem prognostiziert der US-Streaming-Gigant für das laufende Quartal eine Fortsetzung des negativen Trends.
Ein Auslöser war sicherlich die Preiserhöhung Anfang des Jahres, die in den USA zu einem deutlichen Anstieg bei den Kündigungen geführt hat. Laut der Branchenkenner von Antenna.live erreichten die Kündigungen mit 3,6 Millionen ein deutlich höheres Niveau als in den beiden Quartalen zuvor, in denen die Zahl jeweils im Bereich um 2,5 Millionen lag. Wichtig für das weitere Wachstum: Die Zahl der neuen Netflix-Kunden legte im ersten Quartal in den USA um 2,8 Millionen zu und bewegte sich damit im Rahmen der Zuwächse seit Ende 2020. Diese Daten haben ebenfalls die Experten von Antenna.live ermittelt.
Die Kündigungen bei Netflix haben nicht zu massiven Zuwächsen bei den anderen Anbietern geführt. Das ist das Ergebnis einer Studie von Ampere Analysis. Demnach haben 87 Prozent der ehemaligen Netflix-Kunden in den zwei Wochen nach der Kündigung keinen neuen Streaming-Dienst abonniert. Laut Ampere Analysis haben die Kunden vor allem aus Kostengründen gekündigt, weil die anziehende Inflation das verfügbare Einkommen zuletzt eingeschränkt hat. Dieser Trend könnte ein Risiko für Netflix in den kommenden Quartalen bleiben.
Netflix zu Unrecht auf dem Niveau von 2018
Netflix dreht aktuell an einigen Stellschrauben, um so das Wachstum nach vorne zu bringen. An der Börse wird das weitere Potenzial von Netflix derzeit nicht gesehen. Mit seinem Aktienkurs steht der Streaminganbieter heute genau da, wo die Aktie Anfang 2018 stand. Doch damals war es ein ganz anderes Unternehmen. Auch wenn das Wachstumstempo nachlässt, so ist der Streaminganbieter doch sehr gut positioniert, um seine vorherrschende Marktstellung in den kommenden Jahren nicht nur zu halten, sondern sogar noch weiter auszubauen.
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